Kurzer Artensteckbrief der Elsbeere (Sorbus torminalis)

Keine rosigen Zeiten

Sie wurde im Volksmund die schöne Else genannt und Poeten gaben ihr den Namen Königin der Wildfrüchte, heute kennt sie kaum noch jemand, denn sie ist selten geworden - die Elsbeere.

Beere - der Name und auch die biologische Zuordnung zu den Rosengewächsen trügt, denn es handelt sich bei der Elsbeere nicht um einen Strauch oder eine Blume, sondern um einen beeindruckenden Wildfruchtbaum, der eine Höhe von über 30 Metern und ein Alter von über 100 Jahren erreichen kann - die grösste "Rose" überhaupt.
Die Elsbeere ist ein natürliches Erfolgsmodell des Klimawandels, sie liebt die Wärme und siedelt sich gern in locker strukturierten Mischwaldbeständen an. Ihre Rinde ähnelt der der Eiche, das edle Elsbeerenholz gehört zu den härtesten in Europa und findet unter anderem im Instrumentenbau Verwendung. Ihre weissen Blüten bieten den Bienen reichhaltige Nahrung und die im Herbst wunderschön gelb-rot gefärbten Blätter stehen dem Ahorn um nichts nach. Die kleinen apfelförmigen Gebilde, die dem Baum den Namen gaben, haben den höchsten Vitamin-C-Gehalt aller einheimischen Früchte. Die rotbraunen Früchte der "schönen Else" gehören zu den Mehlbeeren. Sie schmecken süss-sauer, reifen im Spätsommer und sind erst geniessbar, wenn sie nach den ersten Frösten überreif und weich geworden sind.
Aus mittelalterlichen Überlieferungen wissen wir, dass die Menschen die kleinen Vitaminbomben schon damals zu schätzen wussten, sie aßen sie roh oder bereiteten daraus Mus und Kompott, um die körperlichen Widerstandskräfte zu stärken. Auch als Heilmittel gegen Durchfallerkrankungen fanden die Früchte Verwendung.
Die wenigen heute noch vorhandenen Elsbeerenbestände verteilen sich über ganz Deutschland, auch auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Eberns sind glücklicherweise noch einige wenige dieser seltenen Gewächse zu finden.
Eigentlich hat der Baum Zukunft, sofern der Mensch ihn lässt und fördert, denn durch die fortschreitende Klimaerwärmung gehört er zu den Baumarten, die holzwirtschaftlich interessant werden könnten, wenn andere einheimische Arten sich nicht mehr halten können.
Damit wir dieser seltenen Art wieder etwas mehr Aufmerksamkeit schenken wurde die Elsbeere von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung zum Baum des Jahres 2011 gewählt.

Text: Justus Vogt
Fotos und Copyright: Klaus Mandery, Justus Vogt

 

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